Migrationsrisiken vermeiden

Analog zu den Farben und Lacken für den Verpackungsdruck müssen in der Lebensmittelindustrie auch Klebstoffe frei sein von toxischen Substanzen, die in das Lebensmittel migrieren könnten.

© Henkel
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Dispersionsklebstoffe spielen bei der Herstellung von Verpackungen aus Papier und Karton eine wichtige Rolle. In der Lebensmittelindustrie stellt eine mögliche Migration der Inhaltsstoffe des Klebstoffes aus den verklebten Faltschachteln, Tüten oder Beuteln ein potenzielles Risiko dar. Daher wurden seit 2011 die Auflagen für Lebensmittel-Verpackungen strenger. Sie unterliegen unter anderem der Europäischen Kunststoffverordnung, die die maximale Migration von Inhaltsstoffen in die zu verpackenden Lebensmittel vorgibt. Damit können so gut wie gar keine Inhaltsstoffe aus dem Klebstoff an das Nahrungsmittel gelangen. Klebstoffhersteller wie Henkel, Eukalin oder BASF haben sich darauf eingestellt und ihre Rezepturen optimiert bzw. neue wasserbasierte Klebstoffe entwickelt.

© Eukalin
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Belastung reduzieren

Die Henkel AG & Co. KGaA aus Düsseldorf, Deutschland, bietet nun erstmals die vollständige wasserbasierte Klebstoffpalette für migrationsarme Konsumgüterverpackungen unter der Marke Adhesin als Low-Migration-Klebstoffe an. Für die verschiedenen Verarbeitungssysteme vom Rollen- bis zum Düsenauftrag stehen spezifische Produktvarianten zur Verfügung. Außerdem zeichnen sich die Adhesin Low-Migration-Produkte durch sparsamen Verbrauch aus. Henkel verzichtet bei der Serie vollständig auf Weichmacher. Auch der Einsatz von anderen Inhaltsstoffen mit potenziellem Migrationsrisiko, wie Lösemittel, wird auf ein Minimum reduziert.
Dabei stammen im Lebensmittel nachweisbare Mengen nicht nur unmittelbar aus der Verklebung der Verpackung, sondern auch mittelbar aus dem Papierrecycling: Die in den Altverpackungen enthaltenen Dispersionsklebstoffe mit Weichmachern gelangen in den Papierkreislauf, wobei sie sich in den Papierfasern anreichern können. Die Papierfabriken haben keine Möglichkeit, die Weichmacher zu entfernen. Da der Anteil von Recyclingfasern bei der Karton- und Papierherstellung kontinuierlich zunimmt, erhöht sich auch der Anteil der verschleppten Weichmacher. „Seitens der Verpackungsindustrie wird das Migrationsrisiko durch Klebstoffe häufig außer Acht gelassen. Für eine migrationsarme Verpackung benötigt man allerdings den geeigneten Verbund aus Papier, Druckfarben und Klebstoffen“, sagt Oliver Klewe, Henkel Marketing Manager Paper Converting Europa.
Die neuen Produkte entsprechen der Empfehlung XIV des Bundesinstituts für Risikobewertung. Die Empfehlung gilt für Kunststoff-Dispersionen mit Lebensmittelkontakt und sieht eine Reduzierung der Belastung von Recyclingpapieren durch verschleppte Weichmacher vor. Technisch erfüllen die weichmacherfreien Henkel-Klebstoffe alle industrieüblichen Anforderungen zur Verklebung von Faltschachteln, Wellpappekartons, Tüten und Beuteln und anderen Papierverpackungen einschließlich der großflächigen Kaschierung.
Die Migrationsproblematik ist auch für die Eukalin GmbH, Eschweiler, Deutschland, ein Schwerpunktthema. Im Bereich Vollpappe kommt es aufgrund der teilweise sehr hohen Rückstellkräfte immer wieder zu Einschränkungen in der Produktionsgeschwindigkeit. Mit Spezial-Klebstoffen von Eukalin stehen den Verarbeitern Produkte zur Verfügung, die durch eine hohe Anfangshaftung und ein verbessertes Abbindeverhalten eine hohe Produktionsgeschwindigkeit ermöglichen. Durch Zugabe entsprechender Additive können die Klebstoffe mit den unterschiedlichsten Leimdetektionsgeräten detektiert werden. Somit ist eine sichere Verarbeitung und Überwachung im Produktionsprozess sichergestellt.
Die Produkte von Eukalin stehen in verschiedenen Viskositäten zur Verfügung, sodass für jedes Auftragsverfahren eine passende Alternative angeboten werden kann. Wie seit einigen Jahren in der Verpackungsindustrie gefordert, sind auch alle Eukalin Klebstoffe frei von phthalathaltigen Weichmachern.

© Robatech
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Kompostierbares Klebstoffsystem

Da zunehmend kompostierbares Verpackungsmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen auf den Markt kommt, sind entsprechende Klebstoffe gefragt, die diesen Prozess nicht stören. Die BASF SE, Ludwigshafen, Deutschland, bietet einen als kompostierbar zertifizierten Klebstoff unter dem Markennamen Epotal ECO an, der nun ein weiteres TÜV-Zertifikat (von DIN Certco) erhalten hat. Das neue Prüfsiegel bezieht sich auf das gesamte Klebstoffsystem, bestehend aus Epotal ECO und dem dazugehörigen Vernetzer. Es bestätigt, dass die Produkte die Norm für kompostierbare Kunststoffe (EN 13432) erfüllen und somit unbedenklich für den Kompostierungsprozess sind.
Epotal ECO ist ein Dispersionsklebstoff, der als erster im Jahr 2010 das Zertifikat für kompostierbare Zusatzstoffe, verliehen durch DIN Certco, erhalten hat. Tests haben gezeigt, dass Epotal ECO innerhalb von nur 70 Tagen zu 90 % abgebaut wird. Nach dem Abbau hinterlässt er keine toxischen Rückstände und weist keine negativen Einflüsse auf die Umwelt auf. Zusätzlich bietet Epotal ECO alle Vorteile von wasserbasierten Klebstoffen: hohe Sofortfestigkeit und Freiheit von toxischen Substanzen, was eine schnelle Weiterverarbeitung ermöglicht.
Mit Epotal ECO können alle üblichen bioabbaubaren Stoffe verklebt werden. Es ist besonders zur Herstellung von vollständig kompostierbaren Verpackungen auf Basis von Kunststoffen wie Polylactiden (PLA) und NatureFlex oder von Papier geeignet.

© Robatech
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Nachhaltigkeit punktet

Verarbeitet werden die Klebstoffe im Raupen- oder Punktauftrag. Letzterer wird zunehmend zur Faltschachtelverklebung eingesetzt, da dadurch Klebstoff eingespart werden kann. Mit ihrem Hotmelt Klebstoffsystem SpeedStar Diamond unterstützt die Robatech AG mit Sitz im schweizerischen Muri die Industrie nachhaltig beim Verpacken von diversen Lebensmitteln. Die Hotmelt Auftragsköpfe SpeedStar Diamond setzen neue Standards in puncto Geschwindigkeit, Dauerhaftigkeit und Präzision. Als Weltneuheit können die SpeedStar Auftragsköpfe bis zu 800 Klebstoffpunkte pro Sekunde setzen. Robatech ist es damit gelungen, extrem schnelle Schaltzyklen mit hoher Verschleißfestigkeit zu kombinieren. Trotz Temperaturen bis 185 °C und Viskositäten bis 5.000 mPas (Milli-Pascalsekunden) erreichen SpeedStar Auftragsköpfe eine viel höhere Lebensdauer als herkömmliche Köpfe.
Da Punktgröße und Position ohne manuelles Nachjustieren über die Lebensdauer garantiert sind, ist eine hohe Wiederholgenauigkeit gegeben. Ein weiterer Vorteil ist der Klebstoffverbrauch, der durch reduzierte Punktgrößen oder Heftfunktion geringer ausfällt. Die hitzebeständige „Cool Touch“-Isolation verbessert die Energieeffizienz deutlich und schützt das Bedienpersonal vor Verbrennungen. Nicht zuletzt schützt „Cool Touch“ auch davor, dass schnell erhitzbare Süßigkeiten wie Schokolade nicht ins Schmelzen geraten.
Ein weiteres Gerät, das in Sachen Nachhaltigkeit punktet, ist das neue Klebstoff-Schmelzgerät Concept Diamond der Greenline Serie. Denn die angebrachte Isolation an den Schmelzgeräten sowie der Leimverteiler führen zu einer deutlichen Energieersparnis. Diese Isolation schützt zudem das Bedienpersonal vor Verbrennungen. Das Gerät ist nach den neuesten Technologien wie der netzwerkfähigen Elektronik ICS-Net und dem bedienerfreundlichen Touchscreen RobaVis ausgerüstet. Der Informations- und Bedienbildschirm kann auch in einem externen Gehäuse eingebaut werden. Um eine konstante Klebermenge im Auftragsgerät zu gewährleisten, können die Concept-Geräte an das automatische Fördersystem RobaFeed angeschlossen werden. Dieses befüllt den Schmelztank direkt mit Granulat ab einem separaten Container und muss somit nicht mehr manuell nachgefüllt werden. Dies erhöht die Personensicherheit und vermeidet zusätzlich eine Verunreinigung des Tanks.

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